Etablierte Denkmuster in Frage stellen – Digitalisierung erfolgreich umsetzen

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Paradigmen und Denkmuster in Frage zu stellen, war noch nie leicht. Das zeigt die Geschichte mehr als einmal: Die QWERTY-Tastatur ist noch immer Standard – obwohl längst bewiesen ist, dass andere Tastenanordnungen deutlich effizienter wären. Galileo wurde für seine astronomischen Beobachtungen, die das geozentrische Weltbild widerlegten, der Inquisition vorgeführt. Die Elektrizität konnte erst nach vielen Jahren zu einer Optimierung der Antriebsprozesse von Maschinen führen – weil alte Denkmuster vorherrschend waren. Ähnliches beobachten wir heute mit der Digitalisierung: Auch wenn es nicht mehr lebensbedrohlich ist, Paradigmen zu hinterfragen, dauert es doch eine ganze Weile, bis neue Entwicklungen in der Realität von Unternehmen ankommen und dort ihre Wirkung entfalten können.

Digitalisierung: Ein umfassender Prozess

Wer denkt, die Digitalisierung erschöpfe sich darin, Social Collaboration Tools einzusetzen und analoge Produkte nun zu digitalisieren, der hat die Digitalisierung nicht verstanden. Denn Digitalisierung ist kein Projekt der IT-Abteilungen, sondern ein umfassender Prozess, der das ganze Unternehmen und seine zugrundeliegenden Denkmuster, Strukturen und Organisationsweisen beeinflusst. Bezogen auf die Kommunikation bedeutet Digitalisierung in erster Linie Vernetzung und Transparenz. Das hat weitreichende Folgen für die Arbeitsweisen sowie für die Gestaltung unternehmensinterner und -externer Beziehungen. Technologien sind nur das Mittel, mit denen sie gestaltet werden. Sie sind insofern die Ursache dieser Veränderungen, als dass sie die Vernetzung erst ermöglichen beziehungsweise deutlich vereinfachen.

Sich ständig neu erfinden

„Never change a running system”. Dieser Spruch hat spätestens mit der Digitalisierung seine Gültigkeit verloren. Denn nur, wer seine Strukturen und Systeme beständig hinterfragt, kann von so tiefgreifenden und umfassenden Veränderungsprozessen wie der Digitalisierung profitieren. Entscheidend ist, dass Unternehmen zum Treiber der Digitalisierung werden, sie also proaktiv mitgestalten. Denn noch viel zu oft sind Unternehmen Getriebene, die mit der Anpassung ihrer Prozesse und Produkte ständig hinterherhinken. Unternehmen müssen etablierte Denkmuster und Formen der Wertschöpfung systematisch und provokant hinterfragen. Auf diese Weise lassen sich beispielsweise neuartige Leistungsangebote oder Geschäftsmodelle entwickeln.

Etablierte Denkmuster verhindern Innovation

Wieso aber sind gut ausgebildete und erfahrene Menschen nicht beziehungsweise nur bedingt in der Lage, die Potenziale der Digitalisierung und der neuartigen Technologien zu erkennen und zu nutzen? Das Problem ist gerade die Erfahrung und die gute Ausbildung. Denn mit jeder Erfahrung, jedem Wissenserwerb schränkt sich der Blickwinkel weiter in eine bestimmte Richtung ein.

Dies zeigt sich auch an einem Experiment, bei dem Erwachsene, Teenager und Kinder Ideen generieren sollten. In einem Raum befand sich ein Paar Schuhe. Jede der drei Gruppen sollte überlegen, was man mit diesem Paar Schuhe alles anstellen könnte. Die Kinder generierten dabei über 100 Ideen mehr als die beiden anderen Gruppen. Der Schluss, dass dies auf die Unvoreingenommenheit der Kinder aufgrund ihres geringeren Erfahrungsschatzes zurückzuführen ist, liegt nahe. Wissen und Erfahrung beeinträchtigen also demnach unsere Kreativität.

Digitalisierung erfordert neue Prozesse und Strukturen

Viele Unternehmen gehen zwar erste Schritte in Richtung Digitalisierung und Vernetzung. Sie nutzen neue Kommunikationstechnologien, elektronische Warenerfassungssysteme und sorgen für mehr Vernetzung. Trotzdem laufen Prozesse noch immer so ab wie im vordigitalen Zeitalter. Ideen mögen durch Vernetzung entstehen – der Weg durch die Hierarchieebenen verwässert sie trotzdem und verzögert die Umsetzung. Nur die gewohnten Prozesse zu elektrifizieren macht diese noch lange nicht digital und damit effizienter.

Grundlegende Strukturen und Wirkungszusammenhänge in Frage zu stellen, neue Denkmuster zu etablieren und tatsächliche Veränderungen zu initiieren erfordert aber Mut und teils schmerzhafte Prozesse. Die Komfortzone der Gewohnheit zu verlassen sorgt in vielen Fällen für Unsicherheit und ist deshalb eine große Überwindung. Aber disruptive Veränderungen erfordern disruptive Anpassungen: In Bezug auf Kultur, Organisationsstruktur und Mitarbeiterführung.

To Do’s für Unternehmen

Was also müssen Unternehmen konkret tun, um die Digitalisierung in ihrem Haus zum Erfolg zu führen? Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung: Nur wenn das Management tatsächlich gewillt ist, das Megaprojekt Digitalisierung zum Erfolg zu führen und mit gutem Beispiel voranzugehen, besteht die Chance, von der Digitalisierung zu profitieren. Das muss in den Unternehmen passieren, damit die Digitalisierung gelingt:

  1. Management und Führungsebene müssen mit gutem Beispiel vorangehen und willens sein, die Digitalisierung umzusetzen.
  2. Bestehende Denkmuster müssen konsequent und systematisch hinterfragt werden.
  3. Umstrukturierungen müssen mehr Vernetzung und Transparenz ermöglichen.
  4. Führung muss partnerschaftlich werden.
  5. Kreativität und Innovation müssen systematisch gefördert und unterstützt werden.

Um die Entstehung von Innovationen systematisch zu fördern und das Durchbrechen von Denkstrukturen zu erleichtern, eignet sich das Konzept der systematischen Innovation, das ich in meinem nächsten Beitrag vorstellen werde. Darin werden auch Ansätze genauer ausgeführt und auf Knackpunkte hingewiesen. Außerdem erhalten Sie wichtige Tipps zur Umsetzung. Lesen Sie dazu meinen Beitrag zum Konzept der systematischen Innovation.

Quelle Titelbild: © fizkes | ­­­­­­­­fotolia.com

 

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